Chicago Sun-Times ersetzt Fotografen durch iPhones

Chicago Sun-Times Photo Stuff

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Update 4. Dezember 2013: Chicago Sun-Times stellt vier Fotografen wieder ein

Schnöde Sparmaßnahme

Bei der Aktion der Chicago Sun-Times handelt es sich zu allererst um eine schnöde Sparmaßnahme und nicht um einen Schritt in Richtung einer modernen, multimedialen Zeitung – der würde auch mit DSLR-Kameras gelingen. Ein iPhone ist inklusive Vertrag und Schulung für den vorhandenen Redakteur einfach günstiger als ein Vollzeit-Fotograf und sein Equipment.

Update 4. Dezember 2013: Chicago Sun-Times stellt vier Fotografen wieder ein

iPhone liefert gute Bildqualität

Das ein iPhone oder auch andere Smartphones gute Bilder in Druckqualität liefern können steht außer Frage. Zu ihren Vorteilen gehören die direkte Bildbearbeitung und der Versand der Fotos über das mobile Datennetz. Mit Aufsetz-Linsen lässt sich sogar die Brennweite in geringem Umfang manipulieren. Die Lichtstärke des Objektivs lässt sich jedoch nicht verbessern. Außerdem weist das iPhone noch eine vergleichsweise lange Auslöseverzögerung auf und an Serienbilder ist auch nicht zu denken.
Das mag für ruhige Termine, wie die für Lokalzeitungen klischeehafte Jahreshauptversammlung des Kaninchenzüchterverein ausreichend sein, aber sobald das Geschehen etwa beim Sport schneller wird oder weiter entfernt statt findet – ebenfalls Sport-Veranstaltungen, aber auch Politiker, Musiker und Schauspieler auf einer Bühne – sind nicht mehr als Übersichtsaufnahmen oder Symbolfotos möglich. Porträt- oder Detailaufnahmen aus großer Entfernung sind nicht immer möglich und auch Robert Capas Ratschlag näher ran zu gehen, bis das Motiv stimmt ist nicht immer möglich.
Manche Lücken, wie Fotos von den Spielen der Bears, Bulls, Blackhawks, Cubs und White Sox oder dem Besuch von Präsident Obama in seiner Heimatstadt, wird die Zeitung wohl mit Bildmaterial von Agenturen füllen. Damit begibt sie sich auch in ein Abhängigkeitsverhältnis und kann nicht mehr mal schnell einen Profi-Fotografen los schicken.

Grundsätzliches: Foto oder Text

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man sich beim Berichten nur auf gute Bilder oder auf einen guten Text konzentrieren kann. Ist man alleine vor Ort, bleibt eine Sache auf der Strecke. Entweder man hat die ganze Zeit die Kamera in der Hand um ein gutes Bild nicht zu verpassen und verpasst viel vom Geschehen.

„Wie fandest du unser Konzert?“
„Keine Ahnung, ich hab Fotos gemacht und nicht zugehört.“

Oder man nimmt schnell pflichtschuldig zwei, drei mittelmäßige Bilder auf, um die Geschichte illustrieren zu können und steckt die Kamera, hier das Smartphone, weg und fertigt sich Notizen für den Artikel an.
Für Filme gilt diese grundsätzliche Einschränkung natürlich auch.

tl;dr
Für einen guten Artikel mit schönen Bildern muss sich eine Zeitung zwei Leute vor Ort gönnen.

(via) (photo: al podgorski)

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